Monatsarchiv - Oktober 2017

Der Persönliche Grundton

Was ist der Grundton?

Die uralte Frage, was der Mensch ist und was ihn mit der Schöpfung verbindet, ist so fundamental, dass sie ewig gestellt werden wird. Und es wird immer Versuche geben, diese Frage zu beantworten. Und stets werden die Antworten unvollständig oder gar unzulänglich bleiben. Religion, Mystik und Philosophie nehmen sich schon immer dieses Themas an – mit unterschiedlicher Intensität und wechselndem Erfolg.

Um den Schöpfungsvorgang zu beschreiben, greifen nahezu alle Schriften und Mythen auf das Phänomen Schwingung zurück, sei es als Ton, Vibration oder Wort. Wer diesen Gedanken weiter denkt, kann zu der Überzeugung kommen, dass Schwingung – und damit die Kraft Ton – die Ursache für die Existenz aller Welten sein muss. Das heißt aber auch, dass diese Kraft die gesamte Schöpfung durchdringt und sich alles Existierende auf seine jeweilige Grundfrequenz zurückführen lässt.

Diese Hypothese auf den Menschen angewendet bedeutet, dass auch jeder Mensch auf einen Ton gestimmt sind. Allerdings gibt es keine Exklusivrecht einer einzigen Frequenz für alle Menschen. Jeder Einzelne schwingt in seinem Ton, jeder Mensch hat seine persönliche tonale Kraft. Durch diese ist er auf seine Weise in die Schöpfung eingebunden. Dieser Ton als Grundlage für dieses Leben bedeutet ihm Ursprung, Heimat, Quelle, Selbst.

Die Idee, dass jeder Mensch auf seinen eigenen Ton gestimmt ist, hat eine lange Tradition. Wir finden Hinweise unter anderem bei Helene Blavatsky und Rudolph Steiner, dem Physiker Joseph Sauveur oder dem Dichter und Philosophen Johann Gottfried Herder. Hier wird gerne vom Seelenton gesprochen, dem inneren Schwingen der Seele. Sie macht sich auf diese Weise bemerkbar und schwingt sich auf zu höchsten Höhen, jenseits der Belastungen und der Trägheit des Körpers. In der indischen Tradition war das Wissen um den Grundton einigen Yogis bekannt (z. B. Swami Nada Brahmananda Sarasvati) und wurde von ihnen als Yogaweg praktiziert. Es gibt auch Hinweise darauf, dass das Wissen um die Kraft des individuellen Tons auch in bestimmten Zweigen des Schamanismus bekannt war. Die heutige Verbreitung in der westlichen Welt fand erst durch Vemu Mukunda statt. Er griff das alte Wissen auf und entwickelte eine praktikable Möglichkeit, diesen Ton sicher zu ermitteln und konkret zu benennen. Die von ihm erfundenen Singübungen lassen die Wirkkraft dieses besonderen Tons entstehen.

Das Konzentrat einer Persönlichkeit

Aber was ist der Persönliche Grundton wirklich? Die Anwort darauf bleibt schwierig, denn ein Teil seiner Existenz wird immer ein Mysterium bleiben. Zum derzeitigen Stand des Wissens kann man davon ausgehen, dass der Persönliche Grundton eine Frequenz ist, die jeder Mensch bei seiner Geburt mit sich bringt. Dieser Ton wird ihn vom ersten bis zum letzten Atemzug begleiten. Ein Mysterium wird bleiben, wann sich diese Frequenz bildet, und warum es genau dieser Ton ist und nicht ein anderer. Diese Fragen lassen sich im Moment nicht beantworten. Klar ist aber, dass dieser Ton nicht ererbt wird. Er bildet sich nicht im Laufe des Lebens, und er ist nicht abhängig von Kultur, Umfeld oder Erziehung. Er ist von Anfang an als innewohnender Schatz existent.

Diesen Ton kann man als Konzentrat der gesamten Persönlichkeit verstehen. Er übernimmt eine Schlüsselfunktion: mit seiner Hilfe lässt sich die Persönlichkeit vollständig erschließen. Da in jedem Menschen alle Kräfte enthalten sind, braucht es nur einen Zugang zu ihnen. Um diesen zu bekommen, müssen zunächst die verschütteten Pforten freigelegt werden. Die Wellenlänge des Persönlichen Grundtons kann als vibrierende Kraft verstanden werden, um die Bahnen dorthin zu ebnen. So führt der Weg direkt zum innewohnenden Potential. Und je nachdem wie frei oder verschüttet diese Pfade sind, kann das Freiräumen länger oder kürzer dauern.

Citta

Um ein noch besseres Verständnis zu bekommen, muss man den westlichen Kulturraum gen Osten verlassen. In der alten hinduistischen Tradition gibt es den Ausdruck citta. Dieser lässt sich nicht direkt übersetzen. Frei formuliert bezeichnet dieses Wort das individuelle Bewusstsein. Dies ist die Ansammlung all jener Erfahrungen, die das Individualempfinden geprägt haben. Die in diesem Verzeichnis registrierten Erlebnissen liegen allerdings im wesentlichen im Unbewussten. So kommt es zu dem verwirrenden Tatbestand, dass der überwiegende Teil unseres Bewusstseins abseits des direkten Zugriffs durch unser Denken liegt. In der Vorstellung des hinduistischen Philosophie können diese Erinnerungen Jahrhunderte alt sein und zu Zeiten entstanden sein, die längst vergangen sind. Die Erinnerung ist allerdings immer noch im citta abgespeichert. Das Singen des Grundtons mit all seinen Varianten und Zusätzen gibt nun die Möglichkeit, das individuelle Bewusstsein qualitativ und quantitativ zu verändern.

Zwölf Töne

In unserem heutigen westlichen Tonsystem unterscheiden wir zwischen 12 verschiedenen Tonhöhen. Jede ist als Persönlicher Grundton möglich. Die Differenzierung in 12 Töne ist genau genug, um eine positive Wirkung hervorzurufen. Gleichzeitig ist sie ungenau genug, um eine Resonanzkatastrophe zu vermeiden. Die notwendige Feinabstimmung übernimmt die Stimme unbewusst und unwillkürlich zusammen mit dem Körper. So kann der gesungene Ton punktgenau und wirkungsstark im inneren System des Menschen Ordnung und Schönheit schaffen.

 

Nur indem das individuelle Einzelwesen sich auf das bezieht und das verlebendigt, worauf es in Resonanz abgestimmt und wozu es be-rufen ist, worin daher auch seine Be-Stimmung liegt, kann es wieder in Über-ein-Stimmung, in einen Ein-Klang mit dem Ganzen gelangen und nun, frei von Ver-Stimmungen den richtigen Ton treffend, in der Symphonie des Lebens und das Alls stimmig mitspielen.

Alexander Lauterwasser

 

 

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Grundtonanalyse

Welche Informationen liegen in meinem Ton?

Ist der Grundton ermittelt, kann die Reise zu sich selbst beginnen. Ein besonderer Punkt dabei ist die Grundtonanalyse. Hier werden Informationen formuliert, die in der maßgeblichen Frequenz als solche enthalten sind. Dieses Wissen entstammt dem Substrat aus mittlerweile 50 Jahren empirischer Beobachtung. Während dieser Zeit hat sich klar gezeigt, dass Menschen mit gleichen Grundtönen bei allen offensichtlichen Unterschieden dennoch auffallende Ähnlichkeiten aufweisen. Diese betreffen weniger das was als vielmehr das wie. Es zeigt sich die innere Motivation für das menschliche Handeln, das spezifische Vorgehen, und der Blickwinkel auf das Leben als solches. Der Persönliche Grundton formt auf diese Weise die Kernkompetenzen eine Menschen – und deckt damit gleichzeitig auf, welche Vorgehensweisen ihm nicht gemäß sind. Diese unterscheidenden tonalen Merkmale bewahren dem Menschen vor Fahrten in Sackgassen – oder schlimmer noch – gegen die Wand. Wer bedauerlicherweise dort bereits angekommen ist, den motiviert der Ton zu einer Rückkehr zum Eigentlichen. Eine biographische Arbeit kann sogar erkennen, wann und aus welchen Gründen ein Mensch falsch abgebogen ist. Der Ton hilft zurück auf die vorgesehene Bahn.

Die klingende Innenstruktur

Die tonale Beratung kann aber noch viel mehr. Der Persönliche Grundton ist zwar der Zentralton einer Persönlichkeit, aber alle anderen Töne liegen gleichermaßen in ihr. Sie alle sind im Körper an ihrer eigenene Stelle verortet und haben dort wiederum ihre eigene Bedeutung. Jeder Ton ist der Indikator für einen großen inneren Themenkomplex. Dieser besteht aus einer körperlichen Komponente, zum Beispiel einem Organ oder einem Funktionskreis, als auch aus einer energetischen, aber am wichtigsten aus einer emotionalen Komponente. Sie alle bilden ein thematisches Gesamtpaket, das sich zwar getrennt betrachten lässt, aber dennoch untrennbar miteinander in Verbindung steht.

Durch besondere Umstände im Leben passiert es vielen Menschen, dass sie ihre innere Kraft und Ruhe verlassen und sich ein solcher Themenkomplex in der Vordergrund spielt. Die Folge davon kann innere Unzufriedenheit oder psychische Instabilität sein, aber auch permanente Energieschwäche oder eine körperliche Erkrankung. Diese Abweichung vom eigentlichen Ton hat also schwerwiegende Folgen, sodass dringend Handlungsbedarf vorliegt. Eine gute tonale Analyse kann dieses Ungleichgewicht erkennen und benennen und somit Klarheit im Erkennen der momentanen Lage schaffen. Diese Klarheit in Verbindung mit den Singübungen können einen positiven Wandel bewirken.

Systemimmanente Spannungen

Um die Sache noch komplizierter zu machen: es existieren in jeder tonalen Innenstruktur bestimmte Konstellationen, die besonders günstig und faszinierend sind, aber auch solche, die eine echte Aufgabe bedeuten. Die an solchen Stellen auftretenden Schwierigkeiten stellen also keinen Defekt oder Missstand dar, sondern entsprechen einer natürlichen Gegebenheit. Diese Töne brauchen machmal eine besondere Aufmerksamkeit, damit natürliche innere Klippen umschifft werden können. Die tonale Persönlichkeitsanalyse weist gegebenenfalls auf solche Klippen hin, sodass es zu keinem Unglück kommen muss.

Für den Prozess der Selbsterkenntnis ist eine gute Persönlichkeitsanalyse ein wichtiger Punkt. Sie stärkt die Selbstbeobachtung und die Selbsteinschätzung. Grundlegende Veränderungen schaffen allerdings erst die Singübungen.

 

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